WvD
Wissensvermittlung in der Denkmalpflege e.V.

Beim Weidenschneiden Wissen ernten
7. März 2026

Ernten der Weiden mit der Hippe

Anfang März zeigte sich das Wetter von seiner sonnigsten Seite. Beste Voraussetzungen also, um draußen aktiv zu werden – und genau das taten wir beim Weidenernteseminar, bei dem nicht nur Weidenruten, sondern auch jede Menge Wissen geerntet wurden.
Als Referent begleitete uns Frieder Heinrich, einer der letzten Korbmachermeister der Oberlausitz mit reichlich Hintergrundwissen durch den Tag. Mit viel Erfahrung und Geduld brachte er uns das Weidenernten bei. Schauplatz war ein etwa 50 Jahre altes Weidenfeld, auf dem die Ruten jedes Jahr überwiegend bodennah geerntet werden. Jetzt, bevor die Weiden im vollen Saft stehen, war der ideale Zeitpunkt für die Ernte der verschiedenfarbigen Weiden, die dem Erntefeld Farbtupfer von rotbräunlich bis hin zu dottergelb verleihen.

Schneiden von Salix americana - der Schäl- oder auch Bindeweide

Bevor es richtig losging, erklärte uns Frieder Heinrich den Umgang mit der Hippe, einem traditionellen sichelförmigen Messer, das beim Weidenschneiden zum Einsatz kommt. Und dann hieß es: selbst ausprobieren! Die ersten Schnitte fühlten sich allerdings eher nach Krafttraining als nach Handwerkskunst an. Nach etwa zehn Minuten fragte sich der eine oder die andere vorsichtig, ob am Ende des Tages noch Gefühl in den Armen sein würde. Doch mit den hilfreichen Tipps unseres Referenten änderte sich das schnell. Schon bald ließ sich das Werkzeug deutlich geschmeidiger führen – und plötzlich glitten die Schnitte durch die einjährigen Weidenruten fast wie durch Butter. Geerntet wurde vor allem die Bind- bzw. Schälweide (Salix americana), die sich besonders vielseitig und gut für die Korbflechterei eignet.
Neben der praktischen Arbeit gab es auch spannende Einblicke in die kleinen Herausforderungen des Weidenanbaus. So erfuhren wir beispielsweise vom Weidenbock, einem Käfer, dessen Larven den Pflanzen durchaus zusetzen können.
Natürlich hörte das Lernen nicht bei der Ernte auf. Frieder Heinrich erklärte auch, wie die frisch geschnittenen Ruten weiterverarbeitet werden können. Eine Möglichkeit ist das achtstündige Auskochen der Weiden. Dabei lösen sich Farb- und Gerbstoffe aus der Rinde und sorgen für eine dauerhafte, warme Färbung des Materials.

Flechten eines gemusterten Zaunsgeflechts

Die nicht gekochten Ruten hingegen werden nach dem Ernten und sogenannten „Verziehen“ geschält. Dadurch entsteht das typische weiße Flechtmaterial, das der sogenannten Weißkorbmacherei ihren Namen gibt. Sie unterscheidet sich von der Grünkorbmacherei, bei der die Weiden mit Rinde verarbeitet werden.

Als kleine Kostprobe des späteren Handwerks zeigte uns unser Referent außerdem die Grundlagen zum Flechten eines Sichtschutzzauns aus Weiden – ein erster Eindruck davon, was aus den unscheinbaren Ruten alles entstehen kann.

Wer sehen möchte, welche beeindruckenden Dinge aus Weiden entstehen können, dem sei ein Besuch der Ausstellung und des Verkaufs der Korbmacherei Heinrich am Berggasthof Nonnenfelsen empfohlen. Das lässt sich wunderbar mit einer kleinen Wanderung verbinden – Handwerk und Naturgenuss inklusive.

geerntete Weiden in verschiedensten Längen und Stärken

Oder man wird selbst aktiv: Gelegenheit dazu bietet unser Folgeseminar „Weidenflechten im Bauerngarten Jonsdorf“, das voraussichtlich im Mai 2026 stattfinden wird, wo wir die geernteten Ruten zu praktischen und dekorativen Flechtwerken verarbeitet.

Ein herzliches Dankeschön gilt unserem Referenten und dem Denkmalnetz Sachsen, dessen Unterstützung dieses Seminar möglich gemacht hat. Ohne solche Partner wäre das Weitergeben traditionellen Handwerkswissens deutlich schwieriger.
(Artikel von Lisa Hallex, erstellt 8.03.2026)

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