WvD

Wissensvermittlung in der Denkmalpflege e.V.

Die "dunkle Geschichte" des Olbersdorfer Sees...
Bergbauwanderung um den Olbersdorfer See am 7. Oktober 2017
So malerisch wie sich der Olbersdorfer See uns heute zeigt, war der Landstrich nicht immer. Vor nicht allzu langer Zeit „verdunkelten“ Schornsteine, Bagger, Fördermaschinen und der dazugehörige Kohlestaub die Gegend.­­­­ Die Entstehungsgeschichte der heutigen Freizeitoase in unmittelbarer Nähe zur Stadt Zittau erläuterte uns Klaus Männig in sehr anschaulicher Weise bei einer Exkursion um den gesamten See. Doch bevor wir uns auf Spurensuche begaben, lockte eine Fahrt auf der Akkulok vom Typ EI 9. De­­­­­nn die AG Grubenbahn, der zum Interessenverband der Zittauer Schmalspurbahnen e. V. gehört, besteht nicht nur aus fleißigen­ Hobbyhistorikern, ­sondern hegt auch das Anliegen, historische Fahrzeuge wieder aufzuarbeiten und am Leben zu erhalten. Zu finden sind sie, am besten zum Tag des Bergmanns direkt gegenüber vom „Haus am See“ am Nordufer des Olbersdorfer Sees.

(Foto: WvD, 2017)

Bei unserem anschließenden Rundgang zeigte uns Klaus Männig immer wieder Belege der Bergbaugeschichte des Olbersdorfer Sees und der wechselvollen Industriegeschichte des Umlandes. Er arbeitete damals selbst im Management des Braunkohletagebaus mit und hat neben all seinem Wissen zusätzlich eine beträchtliche Sammlung an historischen Fotografien, aufgearbeiteten Grafiken und Karten gesammelt. Wären die ursprünglichen Planungen der Rohstoffstrategie der DDR umgesetzt worden, dann wäre eine Wanderung um den gesamten Tagebau wohl etwas größer ausgefallen.

(Foto: WvD, 2017)

Der bereits 1730 sporadisch begonnene Kohleabbau verhalf nach Einführung der Dampfmaschine der Zittauer Gegend in der­ zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu enormem Aufschwung. So wurde die Region in dieser Epoche zum Hauptabbaugebiet für Braunkohle in Sachsen. Von den etwa 100 Braunkohlewerken aus der Zeit von 1850 bis zum zweiten Weltkrieg blieben nach Kriegsende jedoch nur noch zwei Werke erhalten. Das war zum einen das Braunkohlewerk Hirschfelde, heute Tagebau Turow in Polen, und zum anderen die Grube „Glückauf Olbersdorf“, der heutige Olbersdorfer See.

Wie und unter welchen Bedingungen es zur Rekultivierung kam, zeigte uns Klaus Männig anhand von anschaulichem Karten- und Fotomaterial. Er berichtete auch begeistert von der Zusammenarbeit aller Fachbereiche und dem Teamgeist für die neue Aufgabe. Denn nach der politischen Wende kam sehr schnell das „Aus“ für den Tagebau und seine Belegschaft – am 30. September 1991 verließ der letzte Kohlezug den Tagebau. In kürzester Zeit musste eine Fläche von rund 130 ha renaturiert werden. 1999 fand hier die 2. Sächsische Landesgartenschau statt und der „Tagebau“ war fast nicht mehr wiederzuerkennen.

Dass der Erfolg dieser Rekultivierungsmaßnahmen heute ausschlaggebend für die Wahl des Wohnortes in der Zittauer Region sein kann, bestätigte am Ende eine Teilnehmerin aus der Region. Denn der Wandel von der Braunkohlengrube zum rege genutzten Naherholungsort ist ein enormer Gewinn für die Region. Wofür eine „dunkle Geschichte“ doch alles gut sein kann …
(Lisa Hallex, Stand: Oktober 2017)

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